Handlungsleitfaden zum Schutz des Kindeswohls

Handlungsleitfaden zum Schutz des Kindeswohls nach § 8a SGB VIII

Das Wohl des Kindes ist eines der größten Anliegen unserer Arbeit, und gemeinsam mit

Eltern, Jugendämtern und anderen Institutionen sehen wir uns in der Pflicht, dieser Sorge

gerecht zu werden.

Auf der Grundlage der Trägervereinbarung nach §§ 8a, Abs. 2 und 72 a SGB VIII zwischen

den Trägern der Ev. Luth. Kindertageseinrichtungen und dem zuständigen Kreis wird im

Folgenden beschrieben, nach welchem Verfahren in unserer Einrichtung bei dem Verdacht

auf Kindeswohlgefährdung gehandelt wird.

Wir orientieren uns dabei an der „Arbeitshilfe zum Kinderschutz“ des Paritätischen

Gesamtverbandes, Hamburg 2007.

Als kindeswohlgefährdende Erscheinungsformen lassen sich grundsätzlich körperliche und

seelische Vernachlässigung, seelische und körperliche Misshandlung und sexuelle

Gewalt unterscheiden.

Anhaltspunkte von Gefährdungssituationen sind ggf. im Erleben und Handeln des Kindes zu

finden und können sich in der

• Wohnsituation

• Familiensituation

• Erziehungsverhalten

• mangelnde Entwicklungsförderung

• traumatisierte Lebensereignisse

• und im sozialen Umfeld zeigen.

Dabei wird der Einzelfall sorgfältig geprüft und insbesondere das Alter des Kindes sowie der

Entwicklungsstand berücksichtigt.



1. Schritt Gewichtige Anhaltspunkte wahrnehmen

Um gewichtige Anhaltspunkte für eine Kindeswohlgefährdung wahrzunehmen und von

anderen pädagogischen Problemen zu unterscheiden, bedienen wir uns verschiedener

Kriterienkataloge zum „Erkennen möglicher Kindeswohlgefährdungen“. Diese Kriterien

können uns in Fachgesprächen, bei kollegialer Beratung und Diskussion der weiteren

Handlungsschritte unterstützen und werden ggf. dokumentiert.


2.Schritt Austausch im Team und mit der Leitung

Wenn gewichtige Anhaltspunkte vorliegen werden diese Beobachtungen und Eindrücke von

den pädagogischen Fachkräften dokumentiert .Daraufhin wird die Kita-Leitung über die Beobachtung informiert und die persönliche

Wahrnehmung im Team überprüft.

Um die Eindrücke besser einordnen zu können und Problemsicht der Eltern festzustellen kann

ein Elterngespräch geführt werden.



3.Schritt Einschalten der Kinderschutzfachkraft/ erfahrene Fachkraft

Verdichtet sich die Sorge, zieht die Leitung die erfahrene Kinderschutzfachkraft hinzu und

informiert gleichzeitig den Träger der Einrichtung.

Erfahrende Kinderschutzfachkräfte stehen uns u. a. im Kirchenkreis Rantzau-Münsterdorf

durch die MitarbeiterInnen der Lebens- und Erziehungsberatungsstelle Elmshorn, Am alten

Markt 1, Tel 04121 71035 zur Verfügung.

Die Kinderschutzfachkraft verfügt über zusätzliche fachliche Kompetenzen und persönliche

Distanz. Die mit ihr geführten Fallgespräche werden anonymisiert durchgeführt.


4.Schritt Gemeinsame Risikoabschätzung

Gemeinsam mit der hinzugezogenen Kinderschutzfachkraft erarbeiten wir eine

Problemdefinition und Risikoabschätzung auf der Grundlage der Dokumentation.

Es wird die Kindeswohlgefährdung im Bezug auf ihre sachliche und zeitliche Dimension

bewertet, nächste Schritte festlegt und dokumentiert

Dabei wird geprüft, ob es Unterstützungsmöglichkeiten innerhalb der Einrichtung gibt oder

ob andere Hilfen von den Sorgeberechtigten in Anspruch genommen werden sollten

(Therapeuten, Beratungsstellen usw.)

Besteht Gefahr für Leib und Leben des Kindes, wird sofort der Allgemeine soziale Dienst

(ASD) des Jugendamtes eingeschaltet.



5. Schritt Gespräch mit den Sorgeberechtigten

Ein Gespräch  mit den Erziehungs- und Sorgeberechtigten findet grundsätzlich nur dann statt,

wenn sichergestellt ist, dass das Wohl des Kindes dadurch nicht gefährdet wird.

Die Grundlage für das Elterngespräch ist der interne Beratungsplan. In dem Gespräch werden

die Eltern über die Gefährdungseinschätzung informiert und es wird versucht, sie zu

überzeugen, mögliche Hilfsangebote in Anspruch zu nehmen.

Über die Einbeziehung des Kindes in altersgerechter Weise wird im Einzelfall entschieden,

Die Kinderschutzfachkraft kann zu diesem Gespräch hinzugezogen werden.

 




6.Schritt Aufstellen eines Beratungs- und/oder Hilfeplans

Die Ziele des Elterngespräches sind:

• Treffen verbindlicher Absprachen

• Entwicklung eines Beratung/ Unterstützungssystems

• Vorgabe klarer Zeitstrukturen

Das Ergebnis dieses Gespräches wird im Beratungs- und Hilfeplan protokolliert und durch die

Unterschriften der Eltern und der pädagogische MitarbeiterIn bestätigt.

Uns ist wichtig, das Wohl des Kindes in den Mittelpunkt zu stellen und mit den Eltern ein

Hilfeverständnis zu entwickeln.




7.Schritt Überprüfung der Zielvereinbarung

Weiterhin begleiten und dokumentieren wir die Umsetzung des Beratungs- und Hilfeplans

Hierbei werden ggf. unterschiedliche Zeitspannen festgelegt. Mögliche Erfolgs- oder

Abbruchkriterien werden benannt.



8.Schritt Gegebenenfalls erneute Risikoabschätzung

Bei mangelnder Mitwirkungsbereitschaft und –fähigkeit ist eine erneute Risikoabschätzung

unter Hinzuziehung der Kinderschutzfachkraft nötig(Wiederholung der Schritte 4 – 7).

Die erneute Risikoabschätzung kann zur Annahme führen, dass die Möglichkeiten der Kita

ausgeschöpft sind, ohne dass sich die Situation des Kindes nachhaltig verbessern konnte.


9.Schritt Gegebenenfalls Inanspruchnahme des ASD vorbereiten

Die gemeinsame Sorge um die Entwicklung des Kindes und die nicht ausreichend

erscheinenden Verbesserungen veranlassen uns, den ASD einzuschalten.

Die Eltern werden über diesen Schritt informiert; der Träger wird in Kenntnis gesetzt.


10.Schritt Information und

Einschalten des ASD

Der zuständige Sachbearbeiter des ASD wird über die Gefahr einer Kindeswohlgefährdung

informiert.

Dabei ist es uns wichtig, über den weiteren Verlauf mit dem ASD in regelmäßigem

fachlichem Austausch zu bleiben.

Diese Gespräche bzw. Telefonate werden in der Einrichtung dokumentiert.



In Ausnahmefällen

Besteht eine akute und unmittelbare Gefahr für das Kind werden wir sofort das zuständige

Jugendamt einschalten.

Dieser Handlungsleitfaden hilft uns bei der Umsetzung des staatlichen Auftrages, das

Kindeswohl zu schützen.